Nicht reisen

Nun ist er da, der größte anzunehmende Unfall. Wer hätte gedacht, dass er in Form eines winzigen Virus über uns kommt? Ich persönlich muss zugeben, dass ich mich sehr schwer tue, die aktuelle Reaktion der Welt auf diesen GAU als angemessen zu betrachten.
Was mich vor allem verstört ist die Radikalität, mit der die Freiheit von uns allen dem Schutz einer Minderheit geopfert wird. Für mein Verständnis der Dinge ist es nicht redlich, das Problem als Entscheidung zwischen
a) viele Menschen sterben oder
b) wir schränken uns eine Weile ein
darzustellen. Es wird hier nämlich außer Acht gelassen, dass auch im Falle b) viele Menschen sterben werden. Warum? Nun, das Virus ist tötlich, wird sich weit verbreiten und viele Opfer finden. Welchen Effekt das inzwischen als Mantra beschworene „flatten the curve“ tatsächlich haben wird, kann niemand sagen. Fakt und bereits klar absehbar ist jedoch, dass es zu ganz erheblichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verwerfungen kommen wird, um das mal so neutral wie möglich zu formulieren. Auch das wird zu Opfern führen. Armut tötet.
Es ist klar, dass auch im Falle a) gesellschaftliche Verwerfungen unvermeidlich gewesen wären, denn für die meisten Menschen ist es keine Option, angesichts des drohenden Todes wievieler Menschen auch immer nichts zu tun.
Im Falle b) haben wir außerdem zwei Effekte: erstmal ist es natürlich ganz klar eine Zumutung, Millionen von Kindern einzusperren, ihnen Bildung vorzuenthalten und allgemein Lebenszeit zu stehlen. Vor allem deshalb tue ich mich auch immer noch besonders schwer, die Entscheidung für b) als richtig zu akzeptieren. Andererseits haben wir durch b) auch eine bisher nicht für möglich gehaltene Reduktion der Treibhausemissionen erzeugt. Dies kommt den gleichen Kindern, die wir derzeit in Gruppengewahrsam nehmen natürlich am stärksten zu Gute.
Insgesamt betrachtet hatten wir also die Wahl zwischen
a) viele Menschen sterben, es gäbe gesellschaftliche Verwerfungen oder
b) wir schränken uns eine Weile ein bei erheblichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verwerfungen, viele Menschen sterben und wir reduzieren die Treibhausgasemissionen.
Klammern wir alles aus, was in beiden Fällen mehr oder weniger stark passiert, bleibt die eigentlich triviale Erkenntnis übrig, dass die Einschränkungen, die wir uns und unseren Kindern derzeit auferlegen, zu erheblichen wirtschaftlichen Verwerfungen und positiven Folgen für die Zukunft des Klimas führen werden.
Wenn wir es jetzt noch hinbekommen, sehr sehr bald zu erkennen, dass
1.) Kinder nicht auf Dauer, jedenfalls nicht auf Monate von Schule, Spielplätzen, Sport und Freunden ferngehalten werden dürfen und
2.) wir ein vernünftigen Umgang mit dem Virus brauchen, welches da ist und auf absehbare Zeit auch bleiben wird, und wir uns nicht auf Dauer vor ihm verstecken können
dann bin ich gern bereit, die Zukunft wieder etwas positiver zu sehen.

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