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Elektroauto getestet

Montag, Januar 16th, 2012

Wir sind seit 2006 ohne Auto mobil. In Großstädten ist das heute ja schon fast normal, in München und Zürich haben wir nie ein eigenes Auto vermisst. In Koblenz braucht es schon eher etwas Mut, als nahezu einziger ohne Auto zu leben. Wenn man aber in der City wohnt und arbeitet, geht das auch. Vor allem, wenn man noch beim Carsharing mitmacht.

Vom örtlichen Energieversorger gesponsort gibt es jetzt auch ein Elektrofahrzeug, das man für 2,42 EUR/h mieten kann. Da es noch kaum Testbericht gibt, schreib ich hier mal einen:

Der Fiat Fiorino sieht auf den ersten Blick normal aus. Lässt sich wie jedes Carsharing-Fahrzeug per Chipkarte öffnen. Intuitiv trennt man das Ladekabel von der Stromsäule. Kurz überlegen: hängen lassen? Nee, rein damit in den Beifahrer-Fußraum. Dann erstmal die 2 Seiten Kurzanleitung lesen, zur Sicherheit. Ist auch notwendig: Ich wäre nicht darauf gekommen, dass es ein Automatikwagen ist. Also beim Starten den Fuß auf die Bremse! Dann den Gang rein, und da fällt er zum ersten Mal negativ auf: Trotz Automatik-Umbau ist das Kupplungspedal nicht demontiert und stört die intuitive Bedienung. Auch der Schalthebel ist von der 6-Gang-Schaltung übrig geblieben, nur sind alle bis auf 2 Vorwärts- und der Rückwärtsgang nutzlos. Der „normale“ Vorwärtsgang ist bis ca. 60 km/h gut. Danach kann man im Extra-Gang noch bis 100 weiterbeschleunigen. Gedacht ist das Auto aber für die Stadt. Im Stadtverkehr schwimmt man gut mit. Berg hoch auf die Schnellstraße einfädeln ist aber nicht ganz so flott. Dort schalte ich dann in den schnellen Gang, benutze dabei aber erstmal zur Sicherheit die Kupplung ;-).
Positive Überraschung: obwohl die Anleitung behauptet, es gibt nur eine Standheizung (mit Ethanol!), kommt es nach 5 Minuten warm aus dem Gebläse. Nicht so üppig wie bei nem Verbrennungsmotor natürlich, aber dennoch angenehm. Trotz fast aller Verbraucher an (Licht, Heizung, Scheibenwischer, Gebläse auf Stufe 2 bis 3, Navi…) bringt mich der Wagen gut ans Ziel, das auch noch auf nem Berg liegt. Auf den 13 Kilometern sinkt die angezeigte Kapazität von 100 auf 85 %. Das entspricht nahezu der angegebenen Reichweite von 100 km. Und das bei Außentemperaturen unter Null. Bin mal gespannt, wie es mit der Akkukapazität in ein paar Monaten aussieht.

Negatives:
– improvisierter Umbau (Kupplung, Schaltung)
– Motor hört sich bei hohen Geschwindigkeiten ein wenig nach osteuropäischen O-Bus an
– keine Zentralverriegelung
– Rückwärtsgang ruckt stark an (ich kam mir vor wie bei der Fahrschule: sprungweises nach hinten in die Parklücke tasten)
– vergisst man den schnellen Gang wieder rauszunehmen (natürlich vergisst man das!) dann geht der Wagen beim ersten Stopp aus (bei mir war das natürlich am Berg). Dann heißt es: einmal aus und wieder anschalten, im normalen Gang wieder anfahren.

Positiv:
– Reichweite trotz Minusgraden gut
– Fast normale (Fiat)-Bedienung

Fazit: Ganz so wie das Auto der Zukunft fühlt es sich noch nicht an. Aber schon erstaunlich gut.


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