Archive for September, 2005

Empfehlenswert: Kurztrip in die Schweiz

Dienstag, September 20th, 2005

Gornergletscher

Nachdem ich im Januar in Neuseeland festgestellt habe, dass ich mich in den hiesigen Alpen viel zu wenig auskenne, haben wir jetzt eine kleine 4-Tages-Tour per Bahn durch die Schweiz gemacht und auch hier unter Anderem ein paar Gletscher bewundert. Sollte man unbedingt mal machen, denn wer weiß wann wir sie komplett weg geschmolzen haben…

Wir sind mit dem günstigen Swiss Pass der Schweizer Bahn gefahren. Höhepunkt war dabei auf jeden Fall die Fahrt mit dem Glacier Express.

Schweizer Impressionen
Schweizer Impressionen: links der Landwasser Viadukt, rechts die Limmat in Zürich

Insgesamt ist so eine Bahntour in die Schweiz sehr empfehlenswert: beeindruckend, erholsam und abwechslungsreich. Nur das Bier ist zu teuer! (Spartipp: Wein ist oft billiger als in deutschen Restaurants)

Hurricane vs. Tsunami ?

Freitag, September 2nd, 2005

Gestern in der Süddeutschen gefunden (www.sueddeutsche.de):

„Katrina“ verursachte nach Einschätzung der UN eine der schlimmsten Naturkatastrophen der Menschheitsgeschichte. Die Auswirkungen seien sogar weit verheerender als bei dem Tsunami im Dezember, sagte UN-Hilfskoordinator Jan Egeland. Allerdings hätten die gute Vorbereitung der Behörden und die rechtzeitige Evakuierung vor dem Wirbelsturm zu einer weit geringeren Opferzahl als in Südostasien geführt. „Gemessen an den zerstörten Häusern und den betroffenen Menschen ist dies eine der schlimmsten Naturkatastrophen, die je gemessen wurden“, sagte Egeland.

Wer ist der Typ, der diesen Vergleich anstellt? Laut Wikipedia ist er UN-Vizegeneralsekretär. Das ist für mich die größte Tatsachenverdrehung, die ich seit langem gehört habe.

Fakt ist: die Tsunami-Katstrophe war eine reine Naturkatastrophe mit überwiegend sehr geringer Vorwarnzeit. Die meisten Opfer hatten keine Chance, rechtzeitig gewarnt zu werden. Darüber hinaus war ein solches Ereignis seit Menschengedenken dort nicht vorgekommen.
Der Hurricane hingegen war tagelang angekündigt und die Menschen dort wissen, dass sie in dieser Gegend mit ihm rechnen müssen.

Nun zum wirklichen Unterschied: die größte Katastrophe beim Hurricane, nämlich die Überflutung von New Orleans ist keine echte Naturkatastrophe sondern zu großen Teilen von Menschen zu verantworten. Menschen, die übrigens seit langem von der Gefahr einer Überflutung gewusst haben (siehe unten). Trotzdem waren Politik, Katastrophenschutz und Ingenieure völlig „überrascht“, als die absehbare Katastrophe dann eintrat. Der Einsatzleiter wurde auf CNN zitiert, dass er nicht damit gerechnet hätte, dass die Dämme brechen. Seltsam: am Vortag des Sturms habe ich im Fernsehen eine Grafik mit potenziellen Überflutungsflächen gesehen.

Die Lage von New Orleans in einem eingedeichten Kessel inmitten eines Deltas, das jährlich viele Quadratkilometer Fläche verliert – dazu noch weit unter dem Meeresspiegel liegt – müsste bei jedem Verantwortlichen die Alarmglocken schellen lassen. Spätestens, wenn ein solcher Sturm aufzieht. Auf ein paar Dämme und Pumpen, die am öffentlichen Stromnetz hängen, zu vertrauen, ist einfach unglaublich naiv.

Um auf den UN-Mann zurückzukommen: der hat offenbar schon vergessen, wie viele Menschen damals in Südostasien betroffen waren. Jetzt den entstandenen Sachschaden zu vergleichen, ist ja wohl eine Frechheit. Bloß weil die Kosten in einer Wohlstandsgegend zwangsläufig höher als in asiatischen Armutsländern sind, nun von einer größeren Katastrophe zu sprechen, ist pervers.

Von Vorbereitung der Behörden in den USA und rechtzeitiger Evakuierung kann ja wohl auch nicht die Rede sein. Was jetzt wohl wirklich den Bach runder geht, ist der Glaube der Amerikaner, dass ihre Regierung den Schutz vor Gefahren im Griff hat. Die Unfähigkeit, die Situation unter Kontrolle zu bringen, könnte sogar noch weit mehr verändern…

New Orleans, das Wasser und das Sediment

Donnerstag, September 1st, 2005

Gestern auf ORF2 hat endlich jemand die Fragen gestellt, die mich die ganze Zeit schon beschäftigt, die aber im der New Orleans-Berichterstattung bisher ausgelassen wurde:
Warum liegt die Stadt eigentlich unter dem Meeresspiegel? Ist es nicht dumm, dort zu bauen?
Nun, als die erste Siedlung dort errichtet wurde, lag sie natürlich überm Meeresspiegel. Seit der Zeit der ersten Siedlungen wurde der Mississippi jedoch stark verändert, was sich auch auf seinen Sedimenthaushalt auswirkt. Wegen zahlreicher Dämme wird ein erheblicher Teil des vom Fluss transportierten Materials zurückgehalten, bevor es die Mündung erreicht. In der Folge sinkt das gesamte Delta langsam aber stetig ab. und die Dämme entlang des Flusses werden höher und höher. Etwa 1 Quadratkilometer Fläche geht im Delta wohl jedes Jahr verloren. Da kann man sich ausrechnen, wie lange man die Stadt dort überhaupt noch halten kann, selbst wenn man sie jetzt nochmal trocken bekommt.
Mehr Info gibt es beispielsweise bei der Seite der Union of Concerned Scientists und beim Civil Engineering Magazine.


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